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Humor & Satire
  Peinlichkeiten II
  14.04.2005 von Luisa

Peinlichkeiten II

Von der Hausfrau zur Diebin

Da stand es nun vor mir, dieses lang ersehnte Stück. Mit neuen Schläuchen versehen und mit schwarzer Lackfarbe aufgemotzt, war es damals das schönste Fahrrad der Welt. Für nur zwanzig Mark hatte ich es beim Schrotthändler erstanden. Zumal ich wusste, meine strapazierten Füße würden es mir danken, denn der tägliche Fußweg von zwei Kilometern war durchaus kein Zuckerschlecken, abgesehen von dem Schleppen der schweren Einkaufstaschen.
An das Fahren musste ich mich allerdings erst wieder gewöhnen, schließlich waren seit dem letzten Mal einige Jahre vergangen. Anfangs schob ich manchmal das Rad nur neben mir her, weil meine Beine die ungewohnte Anstrengung nicht so schnell verkraften konnten. Auch drückte der Sattel und das Vorderrad schleifte ein bisschen, aber das Glücksgefühl Besitzerin eines Fahrrads zu sein überwog.
Doch der Kelch sollte nicht an mir vorüber gehen. Ausgerechnet, als ich es wieder mal sehr eilig hatte, kreuzte eine Nachbarin beim Einkauf meinen Weg. Bei aller Eile hatte ihr Zuruf „Wart auf mich!“ etwas Gutes, denn sie half mir meine Einkäufe auf dem Rad gleichmäßig zu verstauen. Links und rechts vom Gepäckträger baumelten die Kartoffelbeutel, an beiden Seiten des Lenkers die Einkaufstaschen und die Milchkanne. Bei dieser Belastung war es kein Wunder, dass das Hinterrad mehr schleifte als auf der Herfahrt.
Gleich am anderen Morgen nahm sich mein Mann das Rad noch mal vor. Kurze Zeit darauf überraschte er mich mit der Hiobsbotschaft, dass diese Krücke zwar aussehe wie meine Neuerwerbung, nur diese nicht sei, denn das Original hätte einen Sattelbezug gehabt und eine Klingel. Mir wurde abwechselnd heiß und kalt, als mir bewusst wurde, dass ich in der Hektik ein falsches, aber gleichaussehendes Rad gegriffen hatte.
Der Weg zum Dorfcherif war mir peinlich, jedoch unumgänglich. Ich erklärte ihm die Situation und meinte, dass ich mich am Montag noch mal melden würde. Denn dann hätte sich bis dahin sicher auch mein Fahrrad angefunden. Ein unkomplizierter Austausch sozusagen. Falsch gedacht! Ich vermute, der gute Mann hatte lange auf ein Verbrechen warten müssen. Was folgte war eine Diebstahlanzeige, wohlgemerkt eine „Selbstanzeige“.
Es nützte nicht viel seinen tauben Ohren zu erklären, wo der Nutzen eines solchen „Diebstahls“ für mich wäre – altes Fahrrad gegen Gleichwertiges.
Immerhin bekam am Montag die Geschädigte ihr Rad wieder und sah das ganze von der humorvollen Seite. Mir war das Lachen vergangen. Mein Rad bekam ich erst nach „Vollständiger Klärung des Falles“, und Zahlung einer Gebühr von 25 Mark, wieder.
Das ganze dauerte noch zwei Monate. So geschehen 1952.

Copyright Luisa



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